Zeckenstich - was nun?
Oftmals werden Zeckenstiche nicht bemerkt. Gerade deshalb ist es wichtig, über die möglichen Folgen von Zeckenstichen gut informiert zu sein.
Nicht immer folgenlos
Schnell entfernen
Das Risiko, von einer stechenden Zecke infiziert zu werden, kann durch umgehendes Herausziehen der Zecke deutlich gesenkt werden. Das gilt insbesondere für die Lyme-Borreliose, denn die möglicherweise im Zeckendarm befindlichen Borrelien brauchen in der Regel einige Stunden, bis sie übertragen werden.
Zecke trickreich herausziehen
In der Haut fest sitzende Zecken sind mit ihrem Stech-Saugrüssel dübelartig in der Haut verankert. Sie können selbst nicht schnell loslassen und müssen herausgezogen, herausgehebelt oder am Stechapparat abgeschnitten werden. Erst auf einen Arzttermin zu warten, verzögert die Zeckenentfernung und erhöht damit das Risiko einer Infektion
Werkzeuge: Dickbackige Zeckenzangen und Finger sind ungeeignet, um den Zeckenkörper ohne Quetschen zu entfernen. Sinnvoller ist eine spitze gebogene Splitterpinzette (mit oder ohne Lupe und Lichtquelle), oder - als schnelle Hilfe - in der Geldbörse eine so genannte Zeckenkarte. Das ist eine scheckkartengroße Kunststoffschablone mit zwei verschieden großen Schlitzen zum Aushebeln der Zecke. Drehbewegungen sind unnötig und eher kontraproduktiv. Die Zecke hat kein Gewinde. Neu und effektiv (ursprünglich für Waldarbeiter entwickelt) ist ein Mini-Werkzeug, das zwar aussieht wie ein Nadeleinfädler, aber durch eine 60-Mikrometer-Spezialdrahtschlinge zum Präzisionsinstrument selbst für kleine Nymphen (nur am Menschen) funktioniert.
Auch ein Taschenmesser oder ein Küchenmesser sind dienlich. Dazu führt man die Schneide von hinten unter die Zecke und schneidet sie am Stechapparat ab. In der Stichstelle verbleibende Reste des Saugrüssels stellen in der Regel keine Gefahr dar. Sie trocknen von alleine heraus oder man kann sie zu einem späteren Zeitpunkt vom Arzt entfernen lassen. Das Beträufeln der Zecke mit Öl, Klebstoff, Nagellack oder ähnlichen Substanzen fördert hingegen eine Infektion, weil sich die Zecke unter Stress in die Stichwunde erbricht.
Zecke aufbewahren! Zum Einen könnte man die Zecke notfalls auf das Vorhandensein von Borrelien untersuchen lassen, was v. a. dann wichtig ist, wenn sie bereits viele Stunden lang saugen konnte – zum Anderen kann die Zecke bei der Durchsetzung von Ansprüchen gegen die Berufsgenossenschaft nützlich sein, falls man an Borreliose erkrankt und der Zeckenstich sich während der Berufsausübung ereignete.
Der Borreliose und FSME Bund fordert die Einweisung zur sachgerechten Zeckenentfernung in Erste Hilfe-Kursen, besonders für Lehrer und KITA-Mitarbeiter.
Gefahr durch Irrtum
Vorsorge ist der beste Schutz
Haben Sie einen aktiven Impfschutz gegen FSME, brauchen Sie sich wegen dieser Erkrankung nach einem Zeckenstich kaum Sorgen zu machen, denn Ihre Immunabwehr besitzt wirksame Antikörper gegen die FSME-Viren. Das Spritzen von fertigen FSME-Antikörpern nach einem Zeckenstich (passive Immunisierung ) empfiehlt heute kein seriöser Fachmann mehr. Der Schutz einer solchen passiven Immunisierung ist nur relativ gering, bei einer gleichzeitig hohen Nebenwirkungsquote. Auskunft über die FSME-Impfprophylaxe im Internet: www.baxter.de oder www.rki.de
Antibiotika nach jedem Zeckenstich?
Nach Forschungsergebnissen aus den USA lässt sich eine mögliche Borrelieninfektion möglicherrweise durch die prophylaktische Gabe von 200 mg Doxycyclin (ein Tag, 2 x 100 mg) innerhalb von 72 Stunden nach einem Zeckenstich im Keime ersticken. Manko: Da (statistisch) nur jeder 100. Stich zur Erkrankung führt, gehen die allermeisten solcher Vorsorgebehandlungen ins Leere. Die Fachleute empfehlen sie deshalb in der Regel nur bei zusätzlichen Risiken wie Mehrfachstichen oder vollgesogenen Zecken. Eine aufwändigere Vorsorgemethode besteht darin, aus der Haut entfernte Zecken im Labor darauf zu untersuchen, ob sie mit Borrelien infiziert sind. Werden Borrelien gefunden, wird wegen des erhöhten Infektionsrisikos eine vorsorgliche Antibiotikagabe über zehn Tage empfohlen.
Auf Krankheitsmerkmale achten
Wenn Sie hier klicken, öffnet sich ein neues Fenster mit der Google-Bildersuche. Sie sehen dann eine Auswahl an Bildern mit der typischen Wanderröte. Beachten Sie aber, dass nur ein Arzt die Diagnose stellen darf. Wichtig: Nicht jede Infektion verursacht eine Wanderröte - und nicht jede Rötung ist ein Erythema Migrans. Wenn Sie über die Möglichkeit verfügen, dann fotografieren Sie die Rötung und dokumentieren Sie den Verlauf - das kann später nützlich sein, wenn Sie beispielsweise mit Ärzten sprechen, nachdem die Rötung wieder abgeklungen ist. Hier finden Sie eine Auswahl an Bildern des typischen Lymphozytoms. Hilfreich kann auch ein Blick in die Links unseres Forums sein. Dort finden Sie eine Rubrik mit Links zu Bildersammlungen - und viele weitere interessante Seitenverweise.
Blutuntersuchungen
Diese Untersuchungen sind in aller Regel erforderlich und hilfreich. Ihre Zuverlässigkeit (es gibt falsch-positive und falsch-negative Ergebnisse) und Aussagekraft ist jedoch beschränkt. In vielen Fällen ist es nützlich, zwei verschiedene Labore mit der Untersuchung zu beauftragen.
Probleme mit der Diagnose
Die meisten Ärzte in Deutschland kennen im Zusammenhang mit Erkrankungen, die von Zecken übertragen werden, nur die FSME-Impfprophylaxe und sind in der Diagnose und Therapie anderere durch Zecken verursachter Krankheiten unerfahren. Insbesondere in der Anfangsphase einer Erkrankung kann eine verzögerte sachgerechte Behandlung für die Patienten schwerwiegende Folgen haben. Fragen Sie in Ihrer Arztpraxis nach deren Erfahrung mit zeckenübertragenen Infektionen.
